Es ist unmöglich irgendwo anders zu existieren als in der drastischen, radikalen Realität von jetzt (David R. Hawkins)

Macht und Kraft der Madame Dim Ension - wallner-kresse 2010
Bei David Richard Hawkins habe ich gelernt, dass mit wachsendem Bewusstsein der Menschen sich Machtsysteme zunehmend in Kraftsysteme verwandeln. Kraft löst die Macht ab (Power versus Force). In der Arbeit mit Unternehmen stellt sich daher für mich jetzt immer die Frage, wie das vorherrschende System ausgeprägt ist. Handelt es sich primär um ein Macht- oder um ein Kraftsystem? Und dann noch die Frage, was können wir unternehmen, wenn sich uns das System als Machtsystem offenbart, um den Wandel in ein Kraftsystem zu ermöglichen? Der Urgrund dieser Frage steht für mich im Zusammenhang mit Macht / Kraft und der „wahren Größe“ eines Unternehmens. Welche Größe kann ein Machtsystem, welche Größe ein Kraftsystem hervorbringen? Was ist für eine gute Zukunft – wir können auch „nachhaltige Entwicklung“ sagen – wirklich entscheidend?
Der Glücksforscher und spirituelle Berater und Coach Harald Hutterer beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie menschliche Größe entsteht (danke für die spannende Diskussion hierzu)! Wenn ich die Frage der Größe auf Unternehmen übertrage, dann muss zunächst klar sein, was Größe ist. Eine mögliche Definition von Größe ist das Ausmaß an wirtschaftlichem und politischem Einfluss eines Unternehmens. Die Unternehmen der Ölindustrie sind beispielsweise von beachtlicher Größe nach Umsatz, Gewinn, Abhängigkeiten anderer und Einfluss auf Gesellschaft, Mensch und Natur. Die Organisation der katholischen Kirche ist ebenso von beachtlicher Größe. Ihre Geschichte, die globale Ausdehnung und Verbreitung, das Vermögen, ihre spirituellen Inhalte und der große Einfluss auf eine riesige Anzahl an Menschen sind wahrscheinlich einzigartig. Sehr Unterschiedlich ist es bei kleinen Unternehmen, die vielfach aber eine andere Art von Größe entwickelt haben. Beispielsweise das Unternehmen Sonnentor - das mit einem kooperativen Business Modell, regional eingebettet, nach vollkommen anderen Werten und Mustern operiert, als vergleichbare Unternehmen – hat Größe entwickelt, die auf Unabhängigkeit, Fairness, nachhaltiger Entwicklung, Werten und Freude basiert.
Aus meiner Sicht kann nun Größe sowohl mit und innerhalb von Machtsystemen als auch mit und innerhalb von Kraftsystemen entstehen. Meine Vermutung ist aber, dass Macht- und Kraftsysteme Unternehmen zu einer unterschiedlichen Form von Größe führen. Machtsysteme arbeiten mehr mit Grenzen, mit Hierarchien, mit Strukturen und Abläufen die klar geregelt sind und wenig Spielräume offen lassen. Macht braucht Kontrolle, im Innen wie im Außen. Als sehr einfachen Indikator würde ich den Umgang der Führung mit dem Internet und den Web 2.0 Anwendungen sehen. Machtsysteme werden im Sinne ihres Musters die Öffnung der Menschen nach außen immer regulieren und limitieren. Macht muss seine Grenzen schützen. Aus diesem Machtsystem formt sich eine Größe, die wiederum auf Macht basiert. Diese Art von Größe ist nur mit Macht aufrecht zu erhalten und diese Macht führt – wenn wir genau hinsehen – immer auch zu Leid. Dieses Leid kann ein Leid der Menschen (beispielsweise das Leid der Verlierer im Wettkampf; Symptome sind Burnouts, …) oder ein Leid der Natur sein.
Kraftsysteme beziehen ihre Energie aus den positiven Ressourcen der Menschen. Auch sie brauchen Grenzen, um sich definieren zu können, aber die Grenzen sind offener (Beispiel: der Umgang mit dem Internet und Web 2.0 Anwendungen ist freizügig geregelt – wie etwa bei Google, soweit mir das bekannt ist). Der Blick nach außen geht weiter und tiefer. Kraftsysteme brauchen aber Visionen, die Kräfte in den Herzen der Menschen wecken und das System zusammen halten. Auch ein Kraftsystem braucht Strukturen, sie dürfen aber mehr aus Selbstorganisation heraus entstehen. Hierarchien, die es ebenso gibt, wie in Machtsystemen, bilden sich hier aber nicht aus Machtpositionen aus, sondern aus den feinen Qualitäten der Menschen. Ich nehme an, dass es besonders die Kraftsysteme sind, die sich in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln. Auch würde ich in Kraftsystemen die lebensfähigen Systeme (Viable System Model® nach Stafford Beer – Website) in einer ganzheitlichen, vernetzten Welt sehen. Sie sind die Systeme der Zukunft.
Um zur Kernfrage zurück zu kommen: Was aber ist diese neue Größe, die nur Kraftsysteme hervorbringen können? Ich sehe mit der Entdeckung der Kraftsysteme nicht das Ende der global wirkenden Organisationen gekommen. Auch Kraftsysteme können global aufgestellt sein. Sie sind nur intelligenter und es gilt für sie: „Too good to fail. Too wise to grow too big.” (ein Tweet am 31.1.2010 von @Sirrobyn – Stefan Leitner-Sidl).
Ein Beispiel könnte die Firma Google sein, sicherer aber bin ich mir bei der ebenso global aufgestellten Fairtrade Organisation. Sie scheint mir sehr klar ein Kraftsystem zu sein, das sich durch ein innovatives neues Business Modell „im Sinne des Lebens“ auszeichnet. Diese lebensfreundlichen Organisationen sind dann eher föderal aufgebaut und bestehen nicht mehr aus einem zentralen Machtzentrum, sondern aus vielen Kraftzentren und deren Koordinationsstellen. Ein tolles Beispiel für eine lebensfähige, föderal organisierte Organisation ist Mondragon – eine Genossenschaft in Spanien. Auch die bereits erwähnte Firma Sonnentor (mit Sitz im Waldviertl) würde ich ganz klar als Kraftsystem einstufen.
- Meine These: Die „wahre Größe“ der Unternehmen der Zukunft folgt aus einem Kraftsystem und ist keine Frage der herkömmlichen Unternehmensgröße mehr.
Wie diese wahre Größe zu definieren ist, bleibt für mich noch sehr skizzenhaft – wer aber hat dazu Vorschläge? Würde mich freuen!
Im Kern sehe ich die wahre Größe eines Unternehmens direkt an den Beitrag ans Leben, an die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung (hier steckt auch CSR drinnen) und an die Integration in natürliche Kreisläufe gekoppelt. Wahre Größe ohne nachhaltige Entwicklung wird es langfristig nicht mehr geben.
Es ist für mich eine feine Vorstellung, wenn wir in Zukunft den Wert eines Unternehmens an den „Börsen“ am Grad der wahren Größe beurteilten.




DANKE für diesen großartigen Artikel, die “neuen Gedanken” und die inspirierenden Worte.
Meine Überzeugung ist, dass die wahre Größe der Unternehmen von der “Größe” der in den Unternehmen tätigen Menschen bestimmt wird. Von den Führungskräften, von den MitarbeiterInnen, von den DienstleisterInnen….
Wie integer sind die?
Wie mutig?
Wie durchlässig?
Wie stark?
Wie wahrhaftig?
Wie machtvoll?
Wie kräftig?
Wie groß?
Wie präsent im Hier und Jetzt?
Wie gehen Sie mit sich selbst, mit Ihrer Kraft und mit anderen Menschen um?
Geht es um den eigenen Vorteil??? Oder darum stimmiger Teil eines großen Ganzen in einem sich immer schneller drehenden “Raum” zu sein? Wo Veränderung das einzig Stabile ist…
Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sein könnten.
Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit ängstigt uns am meisten.
Wie wäre es, wenn wir uns fragen: Wer bin ich, um so brillant zu sein?
Es dient der Welt nicht, wenn sich die Menschen und die Unternehmen klein machen.
Sich zu beschränken, nur damit andere sich nicht unsicher fühlen, hat nichts Großes!
Wir wurden geboren, unsere Kraft und unsere Macht zu manifestieren.
Diese ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Einzelnen.
Wenn wir unser Licht scheinen lassen, geben wir damit anderen die Erlaubnis, es auch zu tun.
Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.
(frei nach Nelson Mandela)
Danke für das tolle Feedback und die wunderbare Ergänzung zum Artikel. Da gibt es nicht mehr viel zu sagen. Freu mich auf den weiteren Austausch. Herzliche Grüße!
Für mich ist die wahre Größe eines Unternehmens dann spürbar, wenn ein Rahmen zur Entfaltung des vollen Potenzials aller im Unternehmen mitwirkenden Menschen bewusst geschaffen wird.
So kann das Wachsen und Reifen aller Beteiligten als ein Prozess
ständiger evolutionärer Weiterentwicklung verstanden werden.
In einer Kultur des Vertrauens entsteht organisches Wachstum.
Der Geist, der in einem Unternehmen wirkt, bewegt die Menschen
zu großen Taten:
Wahre Größe leben und geben
So wird eine Unternehmens- Vision das Feuer
für seine Verwirklichung erhalten.
Und die beste Strategie lebt eben genau von dem Stoff, den begeisterte und inspirierende Menschen aus einer erfüllten Aufgabe als pulsierende Freude einbringen.
Wow, was für ein schöner Kommentar. Herzlichen Dank für die schönen Zeilen, die meinen Beitrag sehr bereichern! Es geht um die Menschen und um die Kraft in ihren Herzen.
Lieber Peter,
deine These der Kraftsysteme teile ich.
Genauso ist das Phänomen der Digitalen Sozialen Netzwerke ein Vorbote neuer Strukturformen, die erst jetzt möglich werden. Aus der Perspektive der Organisationsberatung beschäftigt mich dieses Thema insofern, dass ich dazu auch versucht habe, mir die Form dieser Systeme vor zu stellen. Ich glaube, die Evolution neuer Organisationstypen entsteht aus einer “frei beweglichen Modelliermasse von Ressourcen” aus der sich dynamisch neue Konstrukte herausbilden und wieder auflösen.
Im Detail habe ich das mal hier beschrieben und visualisiert:
* Vergessen Sie Ihr Organigramm * http://ow.ly/14pfL
D.h. ich würde zu deiner These diese meinige ergänzen:
“Unternehmen der Zukunft haben keine permanente Größendimension mehr. Sie sind in einer hohen Vernetzung veränderlich (fluid). Unternehmen können in Zukunft an deren Anziehungskraft für andere Netzwerke und an der Energie die ihre Strukturdynamik generiert bemessen werden. (z.B. Pulsieren)”
sunshine!
Jan A. Poczynek
Danke Jan, Deine These kann ich sehr gut verstehen. Sehr visionär! Wie auch immer solche fluiden Strukturen zu fassen sind, ich habe dazu jenseits spannender Theorien noch kein konkretes Bild. Sie sind daher für mich eine Inspiration und ein Ausflug für den Geist. Das Organigramm zu vergessen hingegen scheint eine vergleichsweise einfache Übung zu sein. Schon seit Jahrzehnten bekannte Organisationsmodelle – die heute aktueller denn je sind – kommen ohne statische Organigramme aus und bilden die Dynamik der Organisation in sich ab. Bekanntes Beispiel ist das „Viable System Model“ von Stafford Beer (http://de.wikipedia.org/wiki/Viable_System_Model). Das MZSG arbeitet mit diesem Modell. Die Grundstruktur ist sehr spannend. Ich selbst arbeite mit der „Struktur lebensfähiger Systeme“ seit vielen Jahren und mache sehr gute Erfahrungen. Danke für Deine spannende These!
Lieber Peter,
es freut mich sehr, dass unser Gespräch Dich zu diesem tollen Blogbeitrag inspiriert hat. Danke!
Hier noch was zum Thema menschliche Größe. Stefan Zweig sagt in seinen Erinnerungen an den belgischen Dichter Emile Verhaeren:
“Jeden hörte er an, keinen missachtete er, und keine Macht war darum fähig, sein Vertrauen zu erschüttern, wo es einmal tiefer eingewurzelt war“. „Mit dem ersten Wort griff er in die Menschen hinein, weil er ganz aufgetan war”. „Seine Güte machte sich das Übersehen kleiner Fehler gewissermaßen zur Leidenschaft”. „Alles an diesem Mann war klar, rein und einfach. Eine tief innerliche und reife Heiterkeit ging von ihm aus. Daher seine Ansprechbarkeit für alles Gute, seine Erlebnis- und Begeisterungsfähigkeit. Diese Begeisterung war ihm eine heilige Gewohnheit geworden”. “Ich weiß nicht, ob ich’s nacherzählend zu schildern vermag, wie unerschütterlich dieser Mensch in seinen Fundamenten ruhte, ob ich’s vermag, die wunderbare Sicherheit seines Tuns und Lassens darzustellen”.
Liebe Grüße
Harald
Lieber Harald, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. D.R. Hawkins würde wohl sagen, jetzt ist das Bewusstsein (oder der Wahrheitsgrad) merkbar angestiegen
) Freut mich, wenn Du ab und zu vorbeikommst. Bis bald, freu mich auf ein nächstes Treffen, Peter
lieber Herr Wallner, ich sende Ihnen mein soeben geborenenes
Gedicht als Kommentar zur Wahren Größe:
Lausche Deinem Seelenvogel
Mitten im Winter singt Dein Vogel auf grünem Zweig,
er singt Dein Lied,
hörst Du es?
dieser Vogel singt in der Nacht
im Schnee
mitten im Glück
er singt weiter und weiter
mitten im Unglück
er singt weiter und weiter
er war von Anfang an dabei
er singt bei Deiner Geburt
er singt weiter und weiter
er singt, wenn Du einsam bist
er singt weiter und weiter
er war von Anfang an dabei
er singt, wenn Du glücklich bist
er singt weiter und weiter
er singt, wenn Du stirbst
er singt weiter und weiter
er ist das Lied des Lebens, das so viel größer ist als unser Denken
unsere Vorstellungen und Wünsche
er singt weiter und weiter
er kennt Dich
er liebt Dich
er leitet Dich
er singt weiter und weiter
wo kommen wir her?
wo gehen wir hin?
Sei wie dieser Vogel, vereine Dich mit ihm
Sein Singen begleitet Dich
Er ist Dein Seelenvogel
Flieg und stimm ein in den Gesang der Morgenröte, mitten in der Nacht
hinein in den neuen Tag
und beginne zu singen,
singe weiter und weiter,
stimm ein mit allen Seelenvögeln
und lebe den großen Traum, der in unsere Herzen gelegt ist,
wo keine Furcht Dein Streben aufhält, das zu teilen, was Du bist,
das zu geben, was Du bist
und Jene zu erinnern, die vergessen haben,
was sie sein können
ein liebendes Wesen
Theresia Maria Wuttke
Liebe Frau Wuttke,
Eine poetische Bloginnovation mit ganz viel Spirit!
und wieder herzlichen Dank! Jetzt gewinnt mein Blog durch die vielen Kommentare schon sehr sehr viel an Wert – ich freue mich über die rege und vor allem substanzielle Beiteiligung! Ein Gedicht war bisher noch nicht dabei
Danke, herzliche Grüße,
Heinz Peter Wallner