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Ein Essay über Komplexität und das Leben (Teil 1) – ganzheitliche Entwicklung von Menschen

Ich bleibe dabei, dass das Mysterium des Menschen vom wissenschaftlichen Reduktionismus in unglaublicher Weise herabgewürdigt wird, … (John C. Eccles)

Komplexität in der Natur

Komplexität in der Natur

Unser Leben ist komplex geworden. Wohl nicht zufällig haben die „Simplify your Life“ Ansätze solchen Zuspruch gefunden. Wir erreichen in unserem Leben immer wieder ein oberes Limit der Komplexität und kommen in eine Krise, beginnen unser Leben zu entrümpeln und wieder einfacher zu gestalten, laden uns wieder mit neuer Komplexität auf, erreichen wieder ein oberes Limit, vereinfachen unser Leben wieder usw.  Der Umgang mit der Komplexität wird – wie viele andere Spiele unseres Lebens – zur belastenden Sisyphosarbeit. Im Bemühen, den Kampf gegen die Komplexität aufzunehmen und am Ende vielleicht sogar zu gewinnen, liegt aber vielleicht – je nach Betrachtungsweise und Laune  – ein großer Irrtum. Komplexität und Leben sind eins, sie nicht zu trennen. Wir können ein einfaches Leben führen und zum Glück finden, aber wir sollten uns hüten, die wahre Komplexität unserer Systeme leichtfertig zu reduzieren. Den damit verbundenen Fragen möchte ich einige Schritte weit nachgehen.


Um den Äquator ist es weit, aber wärmend

Haben Sie zu Beginn Lust auf einen kleinen Spaziergang um den Äquator? Manches mal muss ich  weiter ausholen als notwendig, rein aus Lust am Umweg. Also, wenn wir annehmen, es gibt einen belebenden Urgrund der Materie, den unsichtbaren und ewiglichen Geist, wie es Max Plank einmal beschrieben hat, dann ist alles Leben Einheit. Diese Alleinheit (Gott, Matrix, Feld, Liebe, reines, absolutes Bewusstsein, Anwesenheit, Chit, etc.) verbindet uns nicht, weil wir in ihr nie getrennt waren. Alles ist eins. Jetzt könnte ich noch die Quantenmechanik strapazieren, um die Verbundenheit alles Seins zu unterstreichen, aber ich verzichte, weil Sie das schon zigfach gelesen haben.

Jenseits unserer Formenwelt (jene Welt, die wir als Menschen mit unseren Sinnen wahrnehmen können) gibt es also nur Verbundenheit. Dieser Urgrund ist zeitlos, er ist OMEGA und in keinerlei Entwicklung. Wenn es überhaupt Sinn macht, könnten wir die Komplexität der totalen Verbundenheit als „unendlich“  beschreiben. In unserer bescheidenen Formenwelt (im Schleier, Maya, im Nebel unserer Sinneswelt) – hier spielt sich unser tägliches Leben ab – erleben wir die Welt als unzusammenhängend, als etwas, das langsam einen Prozess zu höherer Verbundenheit durchläuft. Erst diese Unvollkommenheit macht Entwicklung möglich und gibt der Evolution Sinn und Richtung. Wir folgen der Evolution auch als Menschen und Gesellschaften wohl aufgrund einer uns gegebenen Schwarmintelligenz und bauen eine zunehmend komplexer werdende Welt.

Das Web 2.0 als Evolutionsbeschleuniger

Somit sind wir als Teil der Evolution an der neuen Verbundenheit aktiv beteiligt. Das sich entwickelnde Netzwerk unserer Welt webt uns und alle unserer Handlungen in eine neue Ganzheit ein. Immer mehr steht im Zusammenhang und immer mehr stehen wir im Zusammenhang. Daher können wir dieser Ganzheit immer weniger entfliehen und uns zurückziehen. Simplify hin oder her, wir sind mit allem zunehmend verwoben und somit der neuen Ganzheit verpflichtet. Das Web 2.0 mit seinen rasant wachsenden Netzwerken tut das seine zur Entwicklung und schafft uns geradewegs eine neue evolutionäre Basis. Ich habe das Gefühl, dass Twitter, Facebook und Co zu wahren Evolutionsbeschleunigern geworden sind und dass deren wahrer Wert an der Börse nicht bezifferbar ist. Wer über den Marketingwert von Twitter diskutiert, hält einen Nebenschauplatz der sieben Zwerge besetzt.

Wunderbare Möglichkeiten neuer Gleichberechtigung

Wir sollten uns jedoch aufgrund dieser verwobenen Erkenntnis nicht als “Gefangene” der Ganzheit verstehen sondern als deren lebendiger Teil. In diesem System ist jeder Mensch gleich wichtig und jeder kann die Entwicklung beeinflussen. Die Teilhabe an der Entwicklung der Welt wird ein neues und leichter erfüllbares Menschenrecht und sie nimmt dem materiellen Besitz zunehmend seine Bedeutung (hier ein Elaborat über neue Formen von Besitz).  Das nun aufkommende, vielleicht ein wenig einengende Gefühl des Eingesponnenseins in einem umfassenden Netz, wird durch eine weitere Erkenntnis der Wissenschaften aufgewogen. Die neu erfasste Ganzheit ist in ständiger Entwicklung. Die Theorie der Selbstorganisation beschreibt den Drang zu einer Entwicklung in Richtung höherer Komplexität (Punkt OMEGA nach Pierre Teilhard de Chardin) als eine Eigenschaft der Materie. Dabei nehmen die Systeme in unserer Formenwelt immer höhere Ordnungszustände ein, die sich aus dem Zusammenwirken der Systemelemente selbst ergeben. Dieser Drang zur Komplexifizierung wird aber nicht nur zur Eigenschaft der Materie, sondern auch zur Eigenschaft des Prozesses, der unsere gesamte Entwicklung prägt. Die Selbstorganisation wird somit auch zur Triebfeder der Evolution der Gesellschaft.

train the eight

train the eight

Immer noch Lust, das Leben zu vereinfachen?

Wahrscheinlich schon. Aber, warum fühlen wir uns als Menschen, die sich mitten in einem schnellen Evolutionsschritt befinden nicht pudelwohl und lebendiger denn je? Warum bietet uns die Komplexität unserer Systeme nicht Flowerlebnisse am laufenden Band? Es ist sogar noch schlimmer. Warum stürzt die wachsende Komplexität so viele Menschen in einen chaotischen Zustand, der sich in Depressionen, Burn-outs, Alkoholismus, etc. zeigt? Warum versinken ganze Städte in ihren Slums und ertrinken an ihrer selbst geschaffenen Komplexität? Eine Antwort finde ich darauf nicht, aber ich habe genügend Fantasie, um einige Hypothesen zu bilden:

  • Es gibt immer ein oberes Limit der Komplexität, die ein System erträgt.
  • Das obere Limit an Komplexität hängt vom Reifegrad und der Nachhaltigkeit des Systems ab.
  • Wir neigen dazu, Systeme mit „simulierter Komplexität“ reifer darzustellen, als sie sind. Wir gehen über die Grenzen der Evolution.
  • Simulierte Komplexität belastet das System und führt zu Teilzusammenbrüchen. Auch vollkommene Zusammenbrüche sind möglich.

Das gilt auch für uns Menschen. Auch für uns gibt es ein oberes Limit an Komplexität, das wir ertragen können. Wenn wir auf die richtigen Werte setzen (Vertrauen steht dabei im Zentrum, das wissen wir von Niklas Luhmann), dann können wir mehr Komplexität in unser Leben lassen. Wenn wir aber ein komplexes, erfülltes Leben erleben wollen, uns vernetzen und die Geschwindigkeiten der Kommunikation erhöhen, unsere Umwelten mit Spannungen aufladen, dann müssen wir innerlich reif dafür sein. Wenn wir nur „simulieren“ und auf unsere innere Entwicklung vergessen, lässt uns die Komplexität im Regen stehen und in so manchen Fällen ertrinken.

Fortsetzung hier!

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Herzlich,

Ihr Heinz Peter Wallner


Web: http://trainthe8.com

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Autor: Heinz Peter Wallner

Ich bin Experte für Veränderung und Entscheidung. Seit über 15 Jahren wirke ich als Changeberater und Führungskräftetrainer. Meine Konzepte, Methoden und vor allem meine vielen praktischen Erfahrungen mit Unternehmen, Organisationen und deren Führungskräften biete ich als Vortragender und Sachbuchautor einer breiten Öffentlichkeit an. Viele namhafte Kunden vertrauen auf die Qualität meiner Leistung, von Industrieunternehmen, öffentliche Organisationen bis hin zu KMUs. Mein Motto lautet „Essenzen für mehr Lebendigkeit und Leadership“

25 Kommentare

  1. Komplex war die Welt schon immer – daran hat sich nichts geändert. Nun erhalten wir mit dem Entwickeln neuer Technologien die Möglichkeit, wesentlich mehr über die Zusammenhänge zu erfahren. Seien es menschliche Netzwerke, die durch Facebook, Twitter und Co. länder-, grenzen- und entfernungsunabhängig aufbauen, oder tiefere Einblicke, wie das menschliche Gehirn funktioniert.

    Dies vereinfachen zu wollen – nun, ob es das ist?

    Eher Vereinfachung im Sinne, “Wie kann ich meine bisherigen Verhaltensmuster, die für eine “stabile Komplexitätslage” sinnvoll waren einfach und effektiv anpassen an die zu beobachteten beschleunigenden Veränderungen?”

  2. Dieses Essey vertieft sehr schön die Ausführungen von Vera F. Birkenbihl in ihrem spannenden DVD-Mitschnitt: Von “Null Ahnung” zu etwas Komplexität.
    Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt das wir noch immer viel zu oft einfache Lösungen in komplexen Fragestellungen suchen.

  3. Heinz Peter Wallner 31. Mai 2011 um 18:57

    Lieber Ralf,
    herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Freut mich, dass Du hier vorbei gekommen bist. Ich bin ganz bei Dir. Wir können keine einfachen Formeln für den Umgang mit der komplexen Welt anbieten. Und die Simplify-Ansätze helfen auf meiner Sicht – wenn überhaupt – nur kurzfristig. Das ist genau der Punkt. Sicher aber können Menschen sich intensiver mit Veränderung und Komplexität befassen, um sich – genau wie Du sagt – in Zukunft einfacher und effektiver in der komplexen Landschaft unseres Lebens und unserer Welt bewegen und anpassen zu können. Die Gedanken werde ich hier weiter spinnen und freu mich weitere Kommentare.
    Herzliche Grüße,
    Peter

    PS: den Telefontermin habe ich nicht vergessen – siehe xing :)

  4. Lieber Heinz-Peter!

    Ich habe den Artikel mit Wohlwollen gelesen und es hat mich zugleich inspiriert. Warum wir Menschen dazu neigen, einfache Lösungen zu suchen, ist möglicherweise “leicht” beantwortet, weil es “Sicherheit” und “Überschaubarkeit” verspricht. Ich komme nicht umhin, die Annahme zu vertreten, dass wir unseren “verschulten” Geist ein neues Navigieren beibringen müssen. Was einst in unseren Vorstellungen ein Bild von lauter Bäumen war, ist heute ein “überschaubarer”, dynamischer und lebendiger Wald, ein einziger offener Prozess (die Entwicklung des Web zeigt es schon vor). Das Weltbild ändert sich vielleicht allein schon dadurch. Dann bekommen die einfachen Lösungen die fahlen Beigeschmack, dass wir die Dinge bisher zu starr betrachtet haben. Das sind Gedanken, die mir durch diesen Artikel in den Sinn gekommen sind.

  5. … danke Peter für deine wie immer inspirierenden Gedanken zu dem komplexen Thema Komplexität :-)
    Man spricht von Komplexität, wenn ein System grundsätzlich unzählbar viele verschiedene, erwünschte oder unerwünschte Zustände und Ereignisse hervorbringen kann. Dabei ist die Komplexität an sich nicht das Problem. Denn wie Ralf schon sagte, gab und wird es Komplexität immer geben. Für mich das Entscheidende ist der Umgang mit der Komplexität!
    Die Konsequenzen durch falschen Umgang mit Komplexität zeigen sich häufig in Überforderung in Stress oder Burnout Syndromen. Lösungen zu finden um die Komplexität zu reduzieren sind sicherlich gedanklich der einfachste Weg – jedoch werden wir im Sinne der Evolution in vielen Bereichen eher eine noch höhere Komplexität erwarten können als eine Vereinfachung. Für uns Menschen führt ein an Informationen nie zu besseren Entscheidungen bzw. Ergebnissen. Ziel muß es also sein, Wege, Methoden und Strategien zu entwickeln um aus Komplexität zu lernen und mit Ihr umzugehen.
    Wir Menschen möchten jedoch immer alles gerne in der Ganzheit verstehen und erfassen. Jedoch sind unsere gedanklichen Möglichkeiten überhaupt nicht dafür ausgelegt Komplexität zu verstehen. Wie einmal ein bekannter Neurowissenschaftler sagte: das Gehirn ist nicht zum Denken da…. Ich glaube jedoch auch, das die Komplexität sich selbst auch nicht versteht – also warum versuchen wir es überhaupt :-) Wir müssen nicht wissen wie ein Auto in Ganzheit funktioniert um es fahren zu können – wir müssen nicht die Komplexität des Internets verstehen um es für uns zu nutzen und wir müssen auch nicht die unendlichen Einflüsse und Zusammenhänge des Wetters nachvollziehen um zu wissen, was wir zu tun haben, wenn es regnet. Eine intelligente Form um mit Komplexität umzugehen und sich ihrer Information zu bedienen, ist das Nutzen von Intuition. Das Wissen ohne zu Wissen und das Vertrauen zu haben, Dinge geschehen zu lassen, gibt uns schon die Eintrittskarte zu den fantastischen Möglichkeiten der Komplexität. In unserer Gesellschaft herrscht leider die Ratio um an solche Themen wie Komplexität heranzugehen. Schaufeln wir doch lieber den meist verschütteten Zugang zu unserer Intuition wieder frei um Antworten zu erhalten, die die Ratio nie entwickeln kann :-)

  6. Das Thema Komplexität trifft uns überall. Zuerst an unserem eigenen Körper. Niemand von uns versteht, wie z.B. das Laufen genau funktioniert, und doch machen wir es jeden Tag als ob es das Selbstverständlichste der Welt ist. Nur wenn es nicht funktioniert machen wir uns an die Ursachenforschung.

    So ähnlich ist es mir in einem großen Werk eines Premium Automobilherstellers ergangen. Wir müssen nicht alles im Detail wissen und ergründen – dafür reicht weder unser Gehirn noch unsere Zeit aus.

    Was wir wissen sollten ist warum wir etwas tun. Und welche -möglichen- Auswirkungen unsere Handlungen haben können. Dies kann (selbstverständlich) über den eigenen Erfahrungshorizont hinausgehen. Andere Menschen mit anderen Erfahrungen, Perspektiven, Stärken, etc. sehen die Dinge ganz anders. So wie in einem Ballett manche ein Stück total langweilig finden, sagt die ehemalige Tänzerin zum gleichen Stück, “Das war das Perfekteste, was ich je gesehen habe!”

    @Thomas, in Bezug auf die Ratio der Gesellschaft bin ich der Überzeugung, dass stets einige Gruppen innerhalb der Gesellschaft sehr wohl das Thema der Komplexität für sich zu nutzen wissen. Was jedoch nicht bedeutet, dass dies der objektiven Realität entspricht. System Dynamics auf soziale Fragestellungen angewendet weitet den eigenen Blick, was wirklich unter der “Wasseroberfläche” abläuft.

    Beste Grüße zum Feiertag und einem erneuten Sonnentag
    Ralf

  7. Danke @Ralf für deine Ergänzung, besonders zu System Dynamics, welche ich persönlich auch sehr spannend finde.

    Meine Anmerkungen sind aus dem Betrachtungswickel eines Individuums formuliert, nicht die einer Masse oder größeren Systems. Aber nicht nur die Systemtheoretiker erklären uns, dass je mehr wir die Komplexität versuchen zu verstehen, um so mehr wird sich auch diese Komplexität zu einer neuen noch komplexeren verändern (ähnlich der quantentheoretischen Erkenntnisse).
    Uns Menschen muss klar sein, dass je mehr Wissen wir erfahren, man damit auch einen noch viel größeren Bereich des Nichtwissens direkt mit dazu bekommt. Dieses würde für unsere Ratio unweigerlich zum BrainDeath führen. Spezialisierung, Vernetzung von Wissen, Systemdenken statt Individualität sind vielleicht die einzigen rationalen Lösungsansätze. Aber wollen wir wie Ameisen leben? ;-) ) Ich bleibe bei der Intuition (bitte nicht mit Gefühlen verwechseln) als einzige Möglichkeit Komplexität für das Individuum handelbar zu machen.

    Auch von mir liebste Grüße in die Runde :-)
    Thomas

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  13. Komplexität ist Ausdruck eines Differenzierungsprozesses. Das ist prinzipiell kein Problem. Eine sehr bunte Wiese wird als Vielfalt erlebt und der Versuch durch Simplifizierung als gegen das Leben gerichtet.
    Differenzierung betrifft aber auch unsere Orientierung. Es ist der Moment, wo etwas Bekanntes in neuer Form erscheint.
    Das Problem liegt dann vor, wenn das alte, das Zugrundeliegende im Neuen nicht mehr erkannt wird. Wir erleben das Neue dann eben nicht als eine interessante Variation, sondern als etwas Fremdes, dass wir noch einordnen müssen.
    Da dies anstrengt und wahrscheinlich auch mit Angst verbunden ist, haben wir ein Interesse an einer Reduktion der Komplexität – um die Orientierungsarbeit noch zu schaffen.

    Viel wichtiger wäre es, die komplexen Erscheinungen als Variationen von etwas Einfacheren zu verstehen, ohne dabei die Einzelerscheinungen aus dem Blick zu verlieren. Wilhelm Reich beschrieb das als ein gleichzeitiges Denken in Unterschieden und zugrundeliegenden Identitäten. Gugutzer spricht in einer leibtheoretischen Identitätstheorie von der „Selbstgewissheit“ die auf „spüren“ (H. Schmitz) basiert. Dies kommt der Forderung nach Intuition (Th. Menk) schon sehr nahe.

    Komplexität erscheint da als Problem, wo der Bezug zum zugrundeliegenden Einfachen nicht mehr gesehen wird. Sie wird allerdings dann oft auch als großer Freiraum erlebt – alles scheint möglich. Ohne den Bezug zum Zugrundeliegenden sind wir nur noch mit Einzelerscheinungen konfrontiert. Manche meinen eine zeitlang, sich darin u.a. mit Modellen von Netzwerken orientieren zu können, andere sehen den tatsächlichen Mangel an Orientierung und fühlen sich überfordert.

  14. Heinz Peter Wallner 2. Juli 2011 um 22:52

    Herzlichen Dank Herr Dr. Diedrich für Ihren Beitrag, die inhaltlichen Klärungen und Erweiterungen! Ihr Blog ist sehr spannend http://id-blog.or-so.de/ – liebe Grüße, Heinz Peter Wallner

  15. Vielen Dank für Ihre Beiträge und die enthaltenen Anregungen.
    Ich denke, dass zu Ihrer Zeit für Menschen Komplexität immer eine Fiebergrenze der Herausforderung hat. In Phasen von Wahrnehmungsparadigmen wie z.B. Erfndung des Zeichnens, der Buchdruck, etc. erhöht sich der Transformationsdruck. Einige sind dann schneller im Neusortierungsprozess (siehe die Selbstvermarktung bei Dürer) andere gehen es gemächlicher an. Auch heute. Mit der Digitalisierung ist es so als ob ein neues Organ, ein neuer Sensor, entsteht, wie auch vermutlich das Auge nicht immer da war.
    .. Gerne zur Forstetzung

  16. Sehr bildhaft beschrieben. Erinnert mich an mein Projekt GOLD-DNA, nur ist Komplexität nicht das Maß aller Dinge und nicht ewig fortlaufend. Irgendwann kommt immer der Punkt des Erwachsenwerdens, des Erwachsenseins und des Erwachsenbleibens … im Sinne der Optimierung dessen, was zuvor immer komplexer zu werden schien. An diesem Punkt zwischen Expansion und Optimierung ist das Gesamtbewusstsein allen Lebens unmittelbar angekommen, ein neues Bild des Universums steht bevor …

    Gruß IP

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